Neujahrsansprache

Individuelle Interessengemeinschaften im Internet, sind die Alternative zur kulturellen  Gleichschaltung der altehrwürdigen Massenmedien. Virtuelle Freundschaften sind informativer, unterhaltsamer und manchmal sogar kreativ. Ohne die Hilfe des virtuellen Freundeskreises, kann ein junger freischaffender Künstler kaum noch in Fahrt kommen. Der berufliche Einstieg ist von wohlwollenden Freunden abhängig. Aber auf virtuellem Boden lassen sich auch wahrhaftige Freundschaftsbande knüpfen.  Davon ist das persönliche Glück abhängig und darüber will ich heute in meiner Neujahrsansprache philosophieren.

Erfolg und Glück schließen sich aus! Auf jeden Fall, wenn man Erfolg mit finanziellem Reichtum gleichsetzt. Um stetigen Geldfluss zu garantieren, muss man sich selbst Scheuklappen angelegen. Erfolg erfordert es, stoisch auf immer demselben Thema herum zu kauen, bzw. wie ein Besessener ein Thema zu verfolgen. Aber das Glück findet sich nie im Laufrad eines Hamsters! Nur wer sich frei lässt, wer Augen, Ohren und Herz öffnet, der kann dem Glück gelegentlich begegnen.

Doch wie denn frei lassen, wie denn locker bleiben? Irgendeiner hält ja immer die Hand auf! Ich kann es verstehen, wenn ein Dauerläufer am Ende dann selbst die Hand aufhält und trotz gesunden Körpers, seine Ehre irgendwann gegen die Almosen vom Amt eintauscht. Die Freiheit, mit einem Hunderter über den Monat zu kommen, ist nun mal vor 20 Jahren von deutschem Boden verschwunden.

2009 war für mich ein sehr glückliches Jahr, eines meiner glücklichsten. Ich habe Euch regelmäßig Bericht erstattet. Von den Inseln des Glücks - Hiddensee, Israel, Pforzheim, Ostsee, Italien. Vielleicht war das Jahr so schön, weil ich keine zwei Leben mehr leben muss. Meine Muse begleitet mich und wenn es irgendwo schön ist, dann bleiben wir einfach vor Ort. Arbeit und Freizeit ist eins. Es gab wieder unzählige Begegnungen mit herrlich verrückten Menschen und eine Menge musikalischer Highlights.

Sensationell empfand ich die Zusammenarbeit mit dem Schlagzeuger Ralf Gustke (Söhne Mannheims) und dem Cellisten Sonny Thet (Bayon). Ich muss das hier gesondert erwähnen, weil diese musikalische Begegnung erst zum Ende des Jahres stattfand. Mit Andreas Bayless (git), ebenfalls von den Söhnen Mannheims und meinem Kompagnon André Gensicke (key) spielten wir ein paar Konzerte im südwestlichen Deutschland, unter anderem im Vorprogramm von Xavier Naidoo.

Dazu noch eine Anmerkung: am 9. Januar fand mein musikalischer Einstieg in das Jahr 2010 statt: wir wiederholten das tolle „spürbar“ Konzert in eben jener Uferlos Besetzung am Theater Pforzheim, auch dieses Mal ein voller Erfolg! Nun ist es amtlich: wir werden uns Mitte März zusammenfinden, um in Quadenschönfeld am neuen Album zu basteln. Und wie immer, wenn das beschauliche Studio von Katrin Lindner für kreative Arbeit herhält, wird es auch dieses Mal ein Konzert direkt im Studio geben. Infos dazu folgen rechtzeitig!

Es gab 2009 auch eine Reihe sehr schöner Wiederbegegnungen, von denen ich aber schon ausgiebig berichtete. Nur noch soviel: im Dezember organisierte der „Master of Desaster“ Elmar Werner noch eine kleine Abschiedstour für unser iZrael – Projekt. Vielen Dank dafür, natürlich auch an Jenne Brüssow (b) und Peter Michailow (dr). Leider musste ich die beiden letzten Konzerte mit viralem Infekt absolvieren, ich bitte alle Beteiligten um Nachsicht. Unsere ganze Aktion war ein unvergessliches Abenteuer!

Leuchtend bunt schillerte die Reunion von OSTENDE zum Jahresende 2009.

Berlin 19.12.09 – Foto: Mario

Greifswald 5.12.09 – Foto: Kessy

 

Es war mir ein Fest, mit Frederik Sauer (key) und Helge Marx (b) wieder über die Bühnen und um die Häuser zu ziehen. Und wie schon vor 7 Jahren, komplettierten mein Freund Steffi Schmidt als Toningeneur und meine geliebte Merchandiserin Carmencita Bernhardt die lebensfreudige Bande. La Chriz, der Urtrommler von OSTENDE,  wurde von Carl-Michael Grabinger ersetzt. Und der hat das sowohl musikalisch, als auch menschlich voll auf die Reihe gekriegt. Eine sensationelle Lichtshow lieferte Oliver Schulze und somit würdigen Ersatz für Stefan Friedrich. Nicht ersetzt werden konnte unser damaliger Manager Reyk Zöllner. Wir hatten mit Kai Suttner einen fähigen Booker, wenn aber meine Muse Denise nicht unentgeltlich als Tourbegleiter eingesprungen wäre, hätten die Herren Falkenberg und Zöllner an so mancher Stelle sehr alt ausgesehen. Zumal beide Parteien auch grundverschiedene Einstellungen zur Kunst pflegen, und in verschiedenen Punkten keinerlei Übereinkunft zu erzielen ist. Egal! Das war vorher klar, und auf der Bühne hat es immer Spaß gemacht. Eigentlich noch mehr als vor 7 Jahren!

Dresden 12.12.09 – Foto: Mary

 

Bedanken möchte ich mich besonders bei André Gensicke, Andreas Bayless und Wolf Widder, ohne die das Jahr 2009 nicht halb so gut für mich gelaufen wäre. Außerdem bei Sabine Kleinschmidt und Andreas Ciesielski, für die Herausgabe des Songbuches. Andreas wünsche ich von Herzen, dass er seine Krankheit besiegt. Dasselbe wünsche ich Thomas Maser. Reinhardt Fißler wünsche ich, dass er weiterhin so unglaublich gut drauf ist. Mit deiner Kraft bist du Vorbild für viele!

Mein größter Dank gilt meiner Freundin Denise. Unsere Liebe ist mein Glück!

Dirk Zöllner

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