Furzkissen

Unterhaltung entbehrt meist jeglicher Kunst. Mit Scherzartikeln wie Boris Becker, Elton, Mario Barth oder einem Furzkissen ist die Mehrheit der Menschheit kulturell zu befriedigen. Sich gut zu verkaufen sei doch auch eine Kunst, höre ich es da rufen. Ja, ihr Schlaumeier, da habt ihr natürlich Recht! Aber das gilt nicht für Furzkissen. So etwas verkauft sich von alleine.

Künstler können natürlich auch unterhaltsam sein. Sie sind es aber im seltensten Fall mit Kalkül. Das ist reine Glückssache. Ihr Werk ist Selbsttherapie. Die Vergegenständlichung überschäumender Fantasie. Und es ist die Möglichkeit mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Künstler sind Leute, die nicht davor zurückschrecken, ihr Seelenleben öffentlich auszubreiten. Die Allerkaputtesten können damit sogar Aufmerksamkeit erreichen. Doch die Menschheit ist vordergründig visuell ausgerichtet. Zur Massenunterhaltung eignet sich am Besten der körperliche  Exhibitionismus. Die Ohren und die Herzen der konsumierenden Menschheit brauchen in der Regel etwas länger, um zu hören oder zu fühlen wie der Erstempfänger von Gottes Botschaft. Nur ganz wenige Individualisten werden zu Fans der ersten Stunde und helfen dem nach Aufmerksamkeit Rufenden durch Ankauf seiner egozentrischen Ergüsse. Der Künstler ist dankbar und sammelt seine Fans. Hegt und pflegt sie. Und sind es auch nur sieben oder acht...

Aber in Wirklichkeit ist auch ER nur ein gewöhnlicher Mensch! Er gibt sich nicht damit zufrieden, einfach nur so zu überleben. Brot reicht nicht. Er will sein’ täglich Kuchen. Aber bitte mit Sahne!

Mit sieben oder acht Fans ist kein Luxus drin, da muss man schon mal die künstlerischen Pfade verlassen und den Arsch auf das Furzkissen schieben, Titten zeigen, Volkslieder nachsingen. Wenn man es ein paar Mal getan hat, tut es fast gar nicht mehr weh. Und kein Geld macht ja bekanntlich auch nicht glücklich. Da könnt ihr meinen Freund und Kollegen Robert Gläser fragen!

Besser ist es, ein paar reiche Fans zu haben. Da kann man seine Seele etwas teurer als Robert verkaufen und für viel Geld auf deren Geburtstagen, Hochzeitsfeiern, Beerdigungen das eigene Werk zum Vortrage bringen. Oma, Opa, Mutti, Vati, Tante, Onkel und die Kinder des reichen Fans reagieren in der Regel leicht verstört, machen aber immer gute Miene zum bösen Spiel. Schlimmstenfalls wird man ignoriert. Wenn sich der Künstler rechtzeitig die richtige Dosis Rotwein reinzieht, merkt er das gar nicht. Die Furzkissenabteilung hält ohnehin nicht so lange durch. Bei deren Problemchen reichen doch zwei, drei Gläschen, dann gehen die ins Bettchen. Die echte Party geht aber erst kurz vor dem Umfallen ab. Mit dem reichen Fan und seinen Luxusgroupies. Er zieht durch, obwohl er bereits zu Unzeiten einen unglaublich wichtigen Termin wahrnehmen muss. Er harrt aus, weil wir noch trinken müssen. Und Gensi will dann ganz sicher noch spielen.

Es ist die gut betuchte Schicht, die sich gern mit Kunst umgibt, neben der Unterwelt auch Politiker. Oder Ärzte. Denn was man nicht versteht, gilt in diesen Kreisen als besonders chic. Es muss nur teuer genug sein, dann gereicht die durchgeknallteste Geräuschkulisse ausgezeichnet zur Untermalung des Gelages oder der Geschäftsgespräche. Handelt es sich beispielsweise um einen Ärztekongress, bekommt man sogar noch die ein oder andere Diagnose umsonst. Beim Singen habe ich einfach die Augen zugemacht und an irgendwas anderes gedacht. So wie es die Nutten bei ihrer Arbeit tun. Habe ich gelesen. In einem Frauenmagazin. Na, und ich hätte ja auch ganz großes Glück haben können, einen Freund unter den ganz wenigen echten Göttern in Weiß finden können. Unter den Künstlern der Medizin.

Lange Ausrede - kurzer Sinn! Erstens spreche ich gern über meine aufkommende Weitsichtigkeit oder den Bandscheibenvorfall und zweitens: ich habe Angst. Angst, in die Hände eines Menschen wie Frank D. zu geraten. Dieser saß neben mir auf der Schulbank, war fleißig und bekam immer sehr gute Zensuren. Trotzdem war der irgendwie strunzendumm. Später hat er dann studiert und ich glaube, er ist tatsächlich Arzt geworden. Nächste Woche haben wir Klassentreffen… ich werde berichten!

Ja, vielen Dank für die vielen positiven Reaktionen auf meine diesjährigen „Newsletter“. Ohne es selbst so richtig zu merken, bin ich immer mehr von der nüchternen Berichterstattung meiner Aktivitäten abgekommen. Von der Verbreitung der Erfolgsstories. Was soll das auch! Es gilt, die Niederlagen zu verarbeiten, sonst kriegt man noch Krebs und muss wieder auf Ärztekongressen nach überlebenswichtigen Freunden suchen. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Ihr, meine Fans, nicht zur Furzkissenabteilung gehört und Euch von meinen künstlerischen  Betrachtungen intelligent unterhalten lasst. Wer keine hat – gut Nacht!

Dirk Zöllner

PS.

Die kursiven Stellen markieren Zitate aus „Die Fans sind eine Macht“ von Frank Schöbel. Mein Beitrag enthält das Zitat eines weiteren Unterhaltungskünstlers, welches ich schwarz gekennzeichnet habe. Auf Grund seines Bekanntheitsgrades ist es längst ins Volkseigentum übergegangen. Wer den Urheber besagten Zitates herausfindet, gewinnt kein handsigniertes Furzkissen, dafür aber meine Sympathie.

Zurück